"Da wackelt der Turm" - Karneval 2010 in Haus Wasserburg


 

Vallendar - Eine Premiere der rheinisch-karnevalistischen Art konnten am Narrenfreitag rund 150 Jeckinnen und Jecken in der bis auf den letzten Platz besetzten bunt geschmückten Aula von Haus Wasserburg erleben. Fast pünktlich um 6:66 Uhr p. m. startete die erste Karnevalssitzung unter Organisation des Vereins zur Förderung der Jugendarbeit an Haus Wasserburg e. V.. Unter dem Motto "Da wackelt der Turm" gab es in den folgenden vier Stunden neben Lustigem, Musikalischem, Lyrischem und Akrobatischem, kurzum viel Traditionellem, auch ein wahres Spektakel aus nie Dagewesenem zu sehen: Die Themen reichten vom Bayrischen zum Kanadischen, vom Geistlichen zum Tierischen sowie vom Stummen zum Harmonischen. Gespickt mit einer ordentlichen Portion Kreativität und Hintergründigem zu aktuellen Angelegenheiten rund um die Wasserburg. Als Dream-Team des Abends gaben sich die Vorsitzende des Fördervereins Inge Schneider und Thomas Muth abwechselnd die Klinke in die Hand und führten in unterhaltsamer Art und Weise durch das Programm. Für den obligatorischen "Tusch" und den musikalischen Rahmen sorgten die "Roten Hosen" (Christoph Brabender, Florian Münz, Julia Haushahn, Mathias Ohlig, David und Jonas Ginap sowie aushilfsweise Stephan Ohlig). Obwohl sie die Jüngsten im Saal waren, konnten sie aus einem umfangreichen Repertoire schöpfen und der Stimmung im Saal das nötige Futter liefern. Einzig Wilfried Münz alias Wühli, der es in seinem Bütt-Debüt getreu nach dem Motto "Dat könnt mer weirer baue aus, wat könnt mer da noch hole raus!" verstand, ungenutzte Kapazitäten aus Biomasse zu nutzen, verlangte der Jugendband ihre ganze Spontanität ab. Seine Kapazitäten zu nutzen wusste auch Pater Alexander Diensberg, insbesondere am Narrenfreitag ein Verfechter der Narrenfreiheit im Tal. Dazu schlüpfte er in die Rolle seines Mitbruders Jörg A. Gattwinkel und gab seine musikalische Komposition "Da schunkelt die Burg, da wackelt der Turm, da tobt der Saal" unter lautstarker Unterstützung des Saals zum Besten. 

Einen Gastauftritt mit akrobatischen Einlagen hatten die Funken "Die Fidelen Frauen" aus Vallendar.Trotz wenig großzügiger Platzverhältnisse brachten sie den für eine Sitzung nötigen Teil des rheinischen Karnevals in den Saal und heizten den Gästen ordentlich ein. Karneval ohne Worte präsentierten Ulrike und Ralf Schneider. Hervorragend vorbereitet unterhielten sie das Publikum mit einem einzigartigen Dialog gedruckter sowie gemimter Worte und sorgten so für eine tolle Unterhaltung im Saal. Dass sich im Tal der Wasserburg noch so einiges in bare Münze verwandeln ließe, zeigte Heinz-Friedrich Steinecke in Person des Heiligen Antonius in seiner kurzen Unternehmensberatung. Zu den Vorschlägen gehörte z. B. die "Pallotti-Card" mit dem "Prayback-Effekt". Den volkstümlichen und bayrischen Teil des Abends übernahmen Helmut Riedel und Benedikt Zimmermann. Helmut Riedel, der Bayer unter der Hausgemeinschaft von Haus Wasserburg, war in Gestalt und Gesang kaum vom echten Heino zu unterscheiden und brachte die Burg einmal mehr zum Schunkeln. Benedikt Zimmermann berichtete von seinem neuen Umfeld der Pallottiner in Freising bei München, wo ihm offensichtlich insbesondere sein Vorname zu einer schnellen Integration verhalf. Als eine der wohl größten Neuentdeckungen für den Karneval in und um die Wasserburg lässt sich wohl Martina Stelzer bezeichnen. So vermochte sie, geleitet von ihren kölschen Genen, die Konstellationen im Stadtteil Schönstatt mit viel Witz und Übersicht in einem gereimten "Krätzje" zusammenzufassen, tonal untermalt mit ihrer "Quetsch" und vokal unterstützt von Tom Brabender und Walter Groos, der im Laufe des Abends ein zweites Mal mit Martina Stelzer auf die Bühne trat. 

                 

Mit ergreifendem Gesang überzeugte er die Gäste, wie "järn" er doch "en z'Weihbischof" wär, "wenn nur öins net wör, dat is et z...z...Zölibat". Nicht minder ergreifend umgarnten "Die Komischen Harmoniker" Martin Ginap, Joachim Kahn, Benedikt Ohlig und Michael Wächter singend und tanzend inmitten des Publikums Isabel Erbes, worüber sich alle Anwesenden köstlich amüsierten. Wie schnell man bei der Anmeldung einer harmlosen Prozession zu einem "Überzeugungstäter" wird und mit mindestens einer Hundertschaft Polizei und Wasserwerfern rechnen muss, bekam Pastor Meinrat von der Himmelfahrtsgemeinde (Alexander Diensberg) während seiner telefonischen Anfrage bei Hauptwachtmeister Schwarz (Jutta Lehnert) vom Polizeikommando Vallendar Mitte zu spüren. Für den tierischen Höhepunkt des Abends sorgte Pater Erik Riechers als Vertreter der englischsprachigen Minderheit in seinen Ausführungen zur sprachlichen Affinität der Deutschen zum Tier im Allgemeinen und zum Schwein im Besonderen: "Sau-billig" oder "sau-teuer", "sau-gut" oder "sau-schlecht", sogar die weltweit gefürchtete Grippe H1N1 war in Deutschland schlichtweg unter der"Schweinegrippe" bekannt. Des Schweinischen nicht genug, wiegte sich direkt im Anschluss die Waki-Tanzgruppe (Eva Raucher, Martina Stelzer, Niki Münz, Christiane Groos, Lis Krahwinkel, Ulrike Föllbach, Karin Stumpf und Inge Schneider) "Schweinebauch an Schweinebauch im Takte" und brachte nicht nur das "Kotelett", sondern auch den Turm erneut zum Wackeln. Den musikalischen Abschluss des durchweg gelungenen Programms bildeten die "Waki-Narrensänger" mit altbekannten und selbst gedichteten Liedern. In prächtiger Stimmung ließen alle Jeckinnen und Jecken den Abend mitsingend und schunkelnd Revue passieren und waren sich einig, dass der Karneval in der Wasserburg zwar gerade erst geboren ist, sich in den Herzen der Teilnehmer aber schon jetzt einen ganz besonderen Platz gesichert hat. Die Vorsitzende, Inge Schneider, bedankte sich zum Schluss bei allen Akteuren, Helfern und Besuchern für das tolle Gelingen der ersten Sitzung in der Wasserburg.                                                        - CH.R. - 

 

   


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