Fr 2. Oktober 2026 (Bildungs- und Gästehaus)
Demokratie stärken – aber wie? Diese Frage stellen sich – nicht erst seit den jüngsten Landtagswahlergebnissen – immer mehr Lehrer:innen, pädagogische Fachkräfte und zivilgesellschaftliche Akteure. Antworten fanden sie beim Demokratie[resilienz]tag am Donnerstag, 24. September 2026, in Haus Wasserburg, Vallendar.
© Foto: Haus Wasserburg/Mathias Birsens | Michael Jansen stellte in einem interaktiven Input den "Siegburger Konsens vor"
Wie kann Bildung unter Druck stabil bleiben? Auf diese Frage suchten mehr als 30 Teilnehmende aus Bildung und Zivilgesellschaft beim Demokratie[resilienz]tag am Donnerstag, 24. September 2026 in Haus Wasserburg tragfähige pädagogische Antworten. „Politische Bildung ist für uns ein kontinuierlicher Prozess, der auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren muss“, erklärte Mathias Birsens, Referent politische Bildung, die Motivation zur Organisation des Fachtags.
Der erste Input von Dr. Mathias Piwko aus Ostritz, Ostsachsen, machte deutlich, vor welchen Herausforderungen die politische Bildung angesichts des Erstarkens autoritärer Kräfte steht: „Die AfD ist bei uns in der Fläche angekommen“, erklärte der Leiter des Dialogforums Demokratie im internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal. Durch ständige Kampagnen würde die Gesellschaft in einen „Dauerstress“ versetzt. Kernthema seines Inputs waren jedoch „Strategiebausteine“ aus der politischen Bildungsarbeit. Denn auch unter diesen Bedingungen lässt sich Demokratie stärken, wie Piwko lebhaft erzählte: durch ein Fest der Vielfalt, einen Escape Room Extremismus mit vier verschiedenen Erzählsträngen, barrierefreie Diskussionen im Vorfeld der Landtagswahl und vieles mehr. Einen Fokus legte er dabei auch auf die zugrundeliegenden Methoden und Kompetenzen, die unabhängig von den Rahmenbedingungen sind. „Mir ist klar geworden, wie wichtig Diskursfähigkeit ist“, berichtete eine der teilnehmenden pädagogischen Referentinnen nach dem Vortrag.
Anschließend konnten die Teilnehmenden sich in zwei parallel stattfindenden Workshops ganz praktisch mit Methoden zur Demokratieresilienz beschäftigen: Zwei Mitarbeitende der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus – Regionalstelle Nord zeigten anhand von Beispielen, etwa aus dem Schulalltag, was bei der Reaktion auf rechtsextreme Vorfälle zu beachten ist. Gleichzeitig stellte Ines Breitsameter von 10drei e. V. den restlichen Teilnehmenden die innovativ-kreativen Bildungsformate des Vereins vor, mit denen das Grundgesetz für Kinder und Jugendliche erlebbar gemacht werden können. Diese konnten die Pädagog:innen im Workshop direkt selbst ausprobieren.
Nachmittags stand die Frage: „Wie neutral muss Schule sein?“ im Mittelpunkt, als Michael Jansen den von ihm initiierten „Siegburger Konsens“ vorstellte. Das erst dieses Jahr öffentlich vorgestellte Dokument ergänzt den vor 50 Jahren verabschiedeten „Beutelsbacher Konsens“ um das Gebot, nicht neutral gegenüber verfassungsfeindlichen Positionen zu sein. Anschließend wurde angeregt diskutiert, inwiefern sich dieser Ansatz auch auf andere Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen ausdehnen ließe. „Es ist wichtig, dass die schweigende Mehrheit laut wird“, brachte es einer der Teilnehmenden auf den Punkt.
Zum Abschluss des Fachtags stand noch einmal der Austausch und die nächsten Schritte im Fokus. Dabei wurden viele Hinweise und Ideen ausgetauscht und auch Pläne – etwa für Demokratietage in Schulen – geschmiedet. „Solche Fachtage sind total wichtig und es ist empowernd und gut zu merken; ich bin nicht allein“, fasste eine der Teilnehmerinnen die ermutigende und hoffnungsvolle Atmosphäre am Ende des Fachtags zusammen.
Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe “Was macht Demokratie resilient? Impulse und Perspektiven für Bildungsarbeit und Gesellschaft”
Die Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke e. V. (AKSB) ist anerkannter Träger der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).