Mo 13. Oktober 2025 (Bildungs- und Gästehaus zusammen mit: Externer Veranstalter)
Zwischenbilanz und Blick nach vorn
Zehn Jahre nach Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato Si’“, der Verabschiedung der Agenda 2030 mit den Globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und des Pariser Klimaabkommens, erscheint deren Umsetzung fraglicher denn je. Doch die Strategietage in Haus Wasserburg zu diesem Thema geben Hoffnung.
„Um einen Plan für die Zukunft zu entwickeln, ist es wichtig eine Zwischenbilanz zu ziehen. Gefühlt ist 2015 eine Ewigkeit her – wieso ist das so?“, fasst Robert Kläsener, Koordinator Schwerpunkt Sozial-ökologische Transformation der AKSB e. V., zusammen, worum es bei den Strategietagen für Bildungs- und Nachhaltigkeitsakteure ging, die vom 3. bis 5. September 2025 in Haus Wasserburg, Vallendar stattfanden.
Eine Bilanz mit Perspektive
In der kritischen Bestandsaufnahme des Agenda 2030-Prozesses, benannte Jens Martens vom Global Policy Forum Europe sowohl die Herausforderungen, etwa durch Mittelkürzungen, die die Zivilgesellschaft unter Druck setzen und den zunehmenden Rückzug aus internationalen Verpflichtungen. Dem entgegen setzte er allerdings auch Lichtblicke, beispielsweise, dass viele Kommunen die Agenda 2030 lokal ambitionierter vorantreiben als ihre nationalen Regierungen. Allein in Deutschland haben bereits 276 Kommunen die Musterresolution zu den SDGs unterzeichnet, einige von ihnen engagieren sich sogar als lokale Akteure auf internationaler Ebene zum Beispiel mit freiwilligen Umsetzungsberichten an die UN:
„Ohne Zivilgesellschaft geht es nicht“
Trotz vieler positiver Entwicklungen etwa bei der globalen Energiewende, warnte auch Christoph Bals, geschäftsführender Vorstand Politik von Germanwatch, die die Strategietage mitorganisierten, dass wir an einem Wendepunkt im „großen Tauziehen um die Zukunft der Demokratie und das Endes des fossilen Geschäftsmodells“ stehen. Um den autoritär-fossilen Strömungen etwas entgegenzusetzen, sei eine starke, organisierte Zivilgesellschaft und neue globale, solidarische Allianzen notwendig, betonten beide Vortragende. Mit Bezug auf die Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus, sieht Bals dabei auch die katholische Kirche als Verbündete der Zivilgesellschaft in der Pflicht – ähnlich wie es die evangelische Kirche für die friedliche Revolution in der DDR war. Auch zehn Jahre nach ihrem Erscheinen, habe Laudato Si’ nichts an Aktualität verloren: theologisch wie wissenschaftlich fundiert, ruft sie dazu auf, der „Spirale der Selbstzerstörung“ eine Ethik der Allverbundenheit entgegenzusetzen.Ein „Recht auf Entwicklung“?
In der anschließenden Diskussion brachte eine Teilnehmerin aus Peru insbesondere die Perspektive des globalen Südens ein, der schon länger ein „Recht auf Entwicklung“ fordert. Sie mahnte vor allem, dass die Transformation im globalen Norden durch „Spill-Over-Effekte“ oft auf Kosten des globalen Südens ginge. Wenn man diesen Effekt berücksichtigt, rutscht Deutschland im SDG-Ranking von Platz 4 auf Platz 164 ab, pflichtete ihr Jens Martens bei und ergänzte: „Es geht nicht darum, den Ländern des Globalen Südens ganz viel zu geben, sondern darum, weniger zu nehmen.“ Gerade der Rohstoffbedarf der Transformation muss hier neue Maßstäbe setzen.
„Jetzt ist die Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und etwas zu verändern“
Im weiteren Verlauf entwickelten die Teilnehmen in Kleingruppen gemeinsam Ansätze, wie diese Impulse in Bildungsarbeit, kirchlichem Engagement und zivilgesellschaftlichem Handeln konkret aufgegriffen, unterstützt und gestaltet werden können. Am Ende entstanden praktische Projektideen wie etwa ein „Tag des offenen Heizungskellers“, um Wissenslücken und Mythen rund um Wärmepumpen abzubauen. Dabei profitierten die Teilnehmenden besonders von der Vielfältigkeit der Gruppe, der nicht nur Menschen aus dem globalen Norden angehörten, sondern auch aus unterschiedlichen Berufen, Einkommensschichten und Altersgruppen zusammenbrachte: „Wir brauchen ältere Menschen, die über ihre Generation hinaus denken“, hob die jüngste Teilnehmerin, Thea Stellpflug (19), hervor.
Die Strategietage für Bildungs- und Nachhaltigkeitsakteure in Vallendar werden regelmäßig von Germanwatch und Haus Wasserburg organisiert und behandeln immer neue relevante Themen rund um die ökologisch-soziale Transformation auf der ganzen Welt. Die Teilnehmenden reisen zum Teil aus ganz Deutschland an, wie Stefan Wisbereit aus Paderborn, der jedes Mal Impulse für seine Arbeit bei den parents4future aus den inhaltsstarken Seminaren mitnimmt. Die nächsten Strategietage finden vom 14. bis 16. November 2025 zum Thema „Utopien“ statt.
Dieser Artikel erschien zuerst im Statt-Magazin Koblenz Herbst/Winter 2025.