Das unendliche Leben einer wunderschönen Geschichte: Das Buch Rut

Geschichten machen uns lebendiger,
menschlicher, mutiger und liebevoller.
(Madeleine L’Engle)

Irenäus von Lyon schrieb: »Die Herrlichkeit Gottes ist der voll lebende Mensch«. Madeleine L’Engle macht klar, dass diese Fülle des Lebens im Menschen nicht geschehen wird ohne Geschichten.

Geschichten machen uns lebendiger. Gerade nach der Pandemie spüren Menschen, dass sie, obwohl sie überleben konnten, sich nicht lebendig fühlen. In Bezug auf das Wort »Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen, Leben in ganzer Fülle« sagt John Shea: »Wir leben auf der falschen Seite des Kommas.« Wir haben Leben, aber nicht Leben in Fülle. Geschichten erinnern uns oft schmerzhaft daran, dass das, womit wir uns gerade abgeben, noch längst nicht die Fülle ist, die möglich ist.

Geschichten machen uns menschlicher. Jeder von uns weiß, wie schwer es ist, wahrhaft ein Mensch zu sein auf Erden. Ein authentischer Mensch zu werden ist eine komplizierte Angelegenheit. Geschichten erinnern uns daran, dass auch hier eine Fülle von Potenzial in uns steckt, das noch befreit, entfaltet und gewagt werden sollte.

Geschichten machen uns mutiger. Im Laufe unseres Lebens ist Mut mehr als einmal erforderlich. Geschichten werden dort geboren, wo wir Kämpfe durchstehen und Schicksale durchleben. Wir beginnen Geschichten zu erzählen, wenn Triumphe mit Misserfolgen getanzt haben.

Geschichten machen uns liebevoller. Die Liebe ist so vielfältig wie die Schmerzen der Seele, die sie zu berühren, zu umhüllen und zu heilen versucht. Geschichten erinnern uns, wo die Flüche des Lebens sind, die unseres Segens bedürfen, und wo die Wunden sind, die unsere Küsse brauchen. Sie erwecken Mitleid, Sorge und Engagement, wo Kälte eingeschlichen ist. Sie können Tränen auslösen, wo die Dürre das Herz zu lange beherrschte.

Diese Vielfalt der Geschichten ist nötig, eben weil es keine Einheitsgröße für alle Erfahrungen des menschlichen Lebens gibt. Das ist es, was die Fülle des Lebens bedeutet. Das II. Vatikanische Konzil lehrte: »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.« (Gaudium et Spes 1) Deshalb brauchen wir viele Geschichten, um die vielen Facetten dessen zu berühren, was es bedeutet, mit unserem Gott und miteinander zu leben und zu gehen.

Madeleine L’Engle schenkt uns einen weiteren Gedanken mit auf die Erzählreise: »Wir sind alle Fremde in einem fremden Land, sehnen uns nach Zuhause, wissen aber nicht so recht, was oder wo unser Zuhause ist. Wir erblicken es manchmal in unseren Träumen oder wenn wir um eine Ecke biegen, und plötzlich ist da eine seltsame, süße Vertrautheit, die fast so schnell verschwindet, wie sie gekommen ist.«

Im Geiste Vinzenz Pallottis und mit großen Impulsen aus der narrativen Theologie, mögen wir diese seltsame, süße Vertrautheit zusammen suchen und finden.



Veranstaltungsort:
Saal St. Marien an Haus Wasserburg

Kosten:

Kursgebühr 15,00 €
Kosten für Mittagessen 10,00 €


Anmeldeschluss:
je eine Woche vorher


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Veranstalter: Siebenquell


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