Siebenquell – Zentrum für Narrative Theologie


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„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“
Jorge Bucay

Geschichten Gottes und des Glaubens wollen verhindern, dass wir die Fülle des Lebens verschlafen. Darum ruft Paulus, “Löscht den Geist nicht aus!”. Diese Geschichten öffnen uns die Realität auf eine Art und Weise, die uns ermöglicht, die vielen Schichten und Dimensionen des Lebens zu sehen, die wir sonst als selbstverständlich hinnehmen. Der Erzähler streift mitten durch das brodelnde Leben hindurch, um ein langes, liebevolles Anschauen der Wirklichkeit zu ermöglichen. Die Geschichten wecken uns zu einem Leben über unsere müden, trägen Selbstverständlichkeiten hinaus. Sie öffnen uns für Tiefen der Wirklichkeit, für die Fülle, für Gottes Konturen des Lebens, für Gottes Möglichkeiten des Alltags. In den Erzählungen kann Gott durch den Stoff des Alltäglichen zu uns sprechen.

Erwachsene brauchen Geschichten zum Wachwerden, weil sie sonst Gefahr laufen, im “Alltagstrott ohne Erlösen” (Huub Oosterhuis) unterzugehen. Wir schlafen bereits, wenn unser ganzes Leben schon vorprogrammiert ist, wenn wir meinen, dass Gott nur an privilegierten Orten und durch auserwählte Erfahrungen zu finden ist. Wir schlafen bereits, wenn wir jede Erfahrung der Angst, der Verwirrung und der Unsicherheit als Instabilität sehen, aber darin keine Überraschungen und Chancen Gottes für unser Leben mehr erkennen können. Wir brauchen die Geschichten Gottes, damit wir nicht wie Geizkragen oder Bettler leben, nur weil wir im Schlafwandel nicht erkennen können, dass die Fülle des Lebens hinter jeder Ecke lauert.

Näheres zu unserem Profil finden Sie auf www.siebenquell.de


Zu den Veranstaltungen im Jahr 2020

»Die Erde ist unser Ursprung und unser Ziel. Die uralten Rhythmen der Erde haben sich behutsam mit den Rhythmen des menschlichen Herzens verwoben.«
John O’Donohue, »Vom Reichtum des Lebens«

Das Symbol des keltischen Knotens zeigt zutiefst, dass alles im Himmel und auf der Erde verwoben ist, das Menschliche und das Göttliche, das Sichtbare und das Unsichtbare. John O’Donohue betonte es mehrfach. »Die ewige und die sterbliche Welt liegen nicht ´nebeneinander`, sie sind vielmehr miteinander verschmolzen.« ( Anam cara, S. 113)

Wir jedoch spüren davon wenig. Die Spezialisierung in Bildung und Arbeit macht uns zu Experten in speziellen Bereichen, ohne Verbindung zu den anderen Teilen des Lebens. Individualismus zerschneidet die Verwobenheit der Beziehungen. Soziale Kommunikationsmittel vermehren den Inhalt des Ausgetauschten, während sie uns gleichzeitig isolieren und anonymisieren.

Die Verwobenheit allen Lebens ist der keltische Knoten des Siebenquell-Programms 2020. In einer Welt der wachsender Isolation stellen wir uns die Frage: Was machen wir mit all den Themen, die nur zu lösen sind, wenn wir unsere Verwobenheit reklamieren und ausleben? Klimawandel, Flüchtlingskrise, Terror, Hungersnot und viele andere Themen können nicht gelöst werden, ohne diese Verwobenheit wiederherzustellen. Im Persönlichen werden wir Depression, Vereinsamung, Orientierungslosigkeit nicht heilen, wenn wir in Isolation leben. So mögen die Geschichten Gottes uns neue Welten eröffnen, in denen wir ungesehene Horizonte und unbetretene Wege entdecken. Und die Geschichten des Glaubens, gewebt in den Bildteppich unseres Lebens, mögen uns durch diese neu eröffneten Welten navigieren.